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Gardasee und Passo di Tremalzo - Januar/Mai 2003
Freundlicherweise von Wolfgang zur Verfügung gestellt!!

Schneemangel auf der Südseite der Alpen? Das ist doch die Gelegenheit, die Moppedsaison gleich im Januar wieder zu eröffnen und meine „Neuerwerbung“, eine XT 350 von 1989, ausgiebig zu testen. U nd so zurre ich kurzerhand die XT im VW-Bus fest, staple das übrige Gepäck irgendwie drumherum und los geht`s (BILD 1). Und tatsächlich: schon am Fernpass, im Inntal und selbst über den Brenner bekomme ich kaum Schnee zu Gesicht. Die Berge entlang des Etschtals sind komplett schneefrei, das lässt hoffen! Zügig rolle ich in Riva am Gardasee ein, der Ort wirkt wie ausgestorben. Auf der sonst so befahrenen Westuferstraße bin ich allein unterwegs. Ich schraube mich die schmalen Sträßchen nach Tremosine hoch, alle Herbergen sind geschlossen. Als ich schon aufgeben will, finde ich in Vesio doch ein offenes Hotel. Die Besitzer erschrecken förmlich, als ich Quartier beziehen will. Ich bin in den nächsten Tagen der einzige Gast. Frühstück bekomme ich nur im Bistro gegenüber, dafür aber reichlich und außerdem habe ich so Gelegenheit, ein wenig die Einheimischen zu beobachten, die sich in ihren Wintermänteln an einer Tasse Kaffee aufwärmen. Im Ort fühle ich mich fast angestarrt, erst recht als ich meine XT auslade und fahrfertig mache. Man warnt mich vor Schnee in den Bergen, ich kann es nicht glauben. Also mache ich erst mal eine Testfahrt mit dem Bus ins Valle Tignalga. Auf der Schotterpiste komme ich mit dem schweren Fahrzeug schnell an meine Grenzen, frisch gefallener Schnee und grobes Geröll verhindern ein Weiterkommen (BILD 2). Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, bis ich auf dem schmalen Weg wieder wenden und bergab rangieren kann.

Also rauf aufs Mopped und erst mal runter an den See, ich finde den Einstieg in die alte Uferstraße und tuckere vorsichtig und mutterseelenallein auf dem nicht mehr unterhaltenen Weg und durch verfallende Tunnel bis Campione (BILD 3). Der See gehört mir scheinbar ganz allein. In Gargnano biege ich in die Berge ab und folge einem schmalen kurvigen Sträßchen zum Lago di Valvestino (BILD 4). Nur ein Trupp Bauarbeiter begegnet mir, sonst bin ich auch hier der einzige Verkehr. Dann biege ich auf einen Schotterweg, nachdem ich das Fahrverbot „übersehen“ habe und schleiche so leise wie möglich das Seitental entlang. Bald schraubt sich die Piste steil den Berg hoch und ich lande mitten im Winter mit frisch gefallenem Schnee (BILD 5). In der Nähe der Bocca Paolone ist der dort einmündende Weg gerade geräumt und ich treffe auf frische Fahrspuren, deshalb drehe ich vorsorglich um. Dann begegnet mir doch noch ein Geländewagen, aber der Fahrer grüßt mich ausgesprochen freundlich. Ich finde noch eine Abzweigung, deren Weg durch eine kleine Furt führt, diese Wasserdurchfahrt lasse ich mir natürlich nicht nehmen (BILD 6). Zurück auf der Straße fahre ich über Capovalle an das Südende des Idro-Sees. In jeder Kurve muß ich auf Eisplatten auf dem Asphalt aufpassen, so komme ich nur langsam voran.

In Anfo biege ich zum Passo della Spina ab und fahre auf einer herrlich kurvigen, schmalen Straße bergauf (BILD 7). Doch nach wenigen Kilometern ist sie völlig von dickem Eis bedeckt und ich schmiere ständig weg. Also heißt es wieder umdrehen und über Storo erreiche ich das Valle d`Ampola. Langsam wird es trotz Winterpelz lausig kalt, trotzdem will ich noch über die nicht gesperrte West-Auffahrt zum Tremalzo-Paß rauf. Die Straße ist schneebedeckt und ich bin erstaunt, wie gut die TKC 80 die Spur halten. Schließlich erreiche ich am Paß die Rifugio Garda auf 1700 m, der Hüttenwirt winkt mir begeistert. Wahrscheinlich halten mich alle für verrückt (und vielleicht haben sie sogar recht…). Eine Weiterfahrt ist nicht möglich, hier versinkt alles im tiefen Schnee. Ich ziehe mir frierend noch das Gipfelpanorama rein und mache mich an den Abstieg. Dann geht es über den Lago di Ledro wieder an den Gardasee hinunter und mit dem letzten Tageslicht erreiche ich geschafft das Hotel.

Die in Aussicht gestellte Sondergenehmigung zur Befahrung der Tremalzo-Strecke lässt mich über das lange 1. Mai-Wochenende schon wieder zurückkehren, diesmal habe ich nicht nur die XT, sondern auch meine Frau dabei. Die Hotelsuche gestaltet sich schwierig, alles ist fest in deutscher Touristen-Hand. Erleichtert finden wir in Sermerio doch noch Unterkunft, die Zimmer sind einfach, aber zweckmäßig und mit schönem Blick auf den See und die Berge. Erstaunlicherweise bleiben wir auch hier wieder die einzigen Gäste, was uns wunderbar ruhige Nächte beschert. Schneller als erwartet erhalten wir die Fahrerlaubnis und so machen wir uns gleich ins Valle San Michele auf. Vorbei an einer wieder hergerichteten Einsiedelei schrauben wir uns fast 20 km den Berg hoch, die XT zieht uns beide auch auf losem Untergrund problemlos weg, ohne auch nur ein einziges Mal auszubrechen. Auch der Motor wirkt keineswegs überanstrengt.

Oben an der Garda-Hütte ernten wir erstaunte Blicke, daß wir trotz der unübersehbaren Verbotsschilder „einfach so“ den Berg herauf kommen, insbesondere als wir dann zur Bocca di Val Marza einschwenken, dem Scheitelpunkt der Strecke auf 1856 m Höhe, der von einem Tunnel durchquert wird. Leider kommt ausgerechnet jetzt Hochnebel auf und versperrt uns die Aussicht auf die unzähligen Serpentinen (BILD 8). Nichtsdestotrotz genießen wir es, dieses kühn angelegte einstige Kriegssträßchen legal befahren zu dürfen. Die Strecke ist z. T. recht grobschotterig und ausgewaschen, mit scharfkantigen Felsen (BILD 9). Nach weiteren kleinen Tunneln erreichen wir über den Passo di Gaton den Nota-Paß, von dort machen wir einen Fußmarsch zu einem kleinen Soldatenfriedhof und ehemaligen Frontstellungen aus dem ersten Weltkrieg. Kaum zu glauben, daß man sich in dieser wunderschönen Bergwelt einst die Kugeln um die Ohren fliegen lassen musste. Später probiere ich noch an einer Abzweigung einen aufgegebenen Weg mit viel grobem Geröll aus (BILD 10), da ich mir aber nicht sicher bin, ob unsere Genehmigung auch hier gilt, drehe ich schließlich um. Wir kurven in das Val di Bondo hinunter und rollen erst spät am Abend mit unzähligen neuen Eindrücken wieder nach Tremosine hinein.

Am nächsten Tag wollen wir die Strecke in umgekehrter Richtung erneut unter die Räder nehmen, leider ist das Wetter noch schlechter geworden. Durch eine dichte Nebelsuppe tasten wir uns nach oben (BILD 11), erst jetzt erspüren wir die wahre Länge der Strecke und die unglaublichen Anstrengungen, die wegen des Krieges dafür unternommen wurden. Bis auf zwei Mountainbiker begegnet uns niemand. Wir überschreiten den Paß und stellen das Motorrad an der Alm Malga Lorina ab. Von hier darf man nur zu Fuß weiter, obwohl es sich ebenfalls um ein altes Kriegssträßchen handelt, das für die XT kein Problem wäre. Durch etliche Tunnel geht es bergan zum Monte Caplone (BILD 12), unterwegs stöbern wir in alten, in den Fels gehauenen Stellungen herum (BILD 13). Den in der Karte eingezeichneten Klettersteig finden wir trotz intensiver Suche im Nebel nicht. So kehren wir um und fahren nochmals durch den Scheiteltunnel. Dann bricht am Abend doch noch die Sonne durch und gibt grandiose Blicke auf im Steilhang angelegte Strecke frei (BILD 14).

Hier müssen wir trotz Moppedvirus unbedingt noch mal mit dem Fahrrad her!

Praktische Tipps:
Die Tremalzo-Strecke ohne Genehmigung zu befahren, kann sehr teuer werden, da das gesamte Gebiet unter Naturschutz steht (Parco Alto Garda Bresciano). Im Extremfall wird das Motorrad beschlagnahmt! Von der Befahrung mit einem normalen Auto wird dringend abgeraten, die in ihrem Zustand häufig wechselnde Strecke ist höchstens für kleine Allradler mit entsprechender Erfahrung geeignet. Dazu muß ständig auf bergab u. U. sehr schnelle Biker geachtet werden! Wegen der zahlreichen traumhaften Mountainbike-Strecken in der Saison insbesondere an den Wochenenden überlaufen.
Vor Ort erhältlich ist die brauchbare und detaillierte, aber leider nicht fehlerfreie Wanderkarte „Lago di Garda“ 1 : 50 000 mit Mountainbikestrecken und Wanderwegen.



Über die Region und Unterkünfte informieren auch in Deutsch z. B. folgende Internet-Seiten:

  • www.infotremosine.it
  • provinz.bz.it/wetter/gardasee.htm
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